Anfang der Woche involvierte uns der Tierschutzverein, der Greif in seine Familie vermittelt hatte, in dessen Suche.
Von Anfang an war klar, dass aufgrund der direkten Nähe zu den Bahngleisen sehr genau abgewägt werden musste, ob der Einsatz eines Suchhundes sinnvoll ist.
Es ist immer Entscheidung des Besitzers und natürlich informieren wir auch über die Risiken eines Einsatzes.

Gestern Abend dann, war die Entscheidung gefallen.

Seit Montag war der Rüde unterwegs und trotz aller Suchbemühungen, unzähliger Suchplakate und Aufrufen in den sozialen Medien, gab es kein Lebenszeichen von der Fellnase.
Die Suchbedingungen waren gar nicht schlecht, als Geruchsartikel diente ein Eimer voll mit ausgekämmten Haaren und bisher gab es kaum Altspuren außerhalb des Hauses, denn entweder war die Familie zum Spaziergang gefahren oder die Hunde wegen der Hitze im Garten.
Sollte also eine Spur hinaus führen, konnte es nur die, des Entlaufens sein.
Dafür brachte der Start Schwierigkeiten mit sich: da sich keiner das Verschwinden von Greif erklären konnte und der letzte sichere Sichtungspunkt im Hausflur war, starteten wir mitten im Heim-Pool.
Für unsere erfahrene Feline kein Problem!

Zügig fand sie den Weg und startete Richtung Bahnhof durch. Gecheckt wurde als erstes das Nachbargrundstück (angrenzend an den Garten). Weiter ging es auf der Bahnhofstr. Richtung Bahnhof. Feline markierte dabei immer wieder links, lief in Garagenhöfe und hinter den Häusern lang und hätte am liebsten direkt die Böschung der Bahnlinie erklommen. Einen Garagenhof inspizierte sie dabei sehr genau, löste sich dann aber und weiter gings durch den Bahnhof und ab in die Straße leicht rechts gegenüber. Sie versuchte nach links durchzukommen, fand aber nur Sackgassen und marschierte die gleiche Straße wieder zurück zur Hauptstraße. Hier signalisierte sie sehr deutlich, dass es nach rechts nicht weiter ging.
Da es noch sehr warm war, brachen wir erstmal ab. Wir wollten sehen, was Milka uns zeigt, um weitere Anhaltspunkte zu bekommen.
Auf dem Rückweg zog Feline trotz Umschnallen ins Halsband wieder in Richtung Garagenhof. Ich ging zu der Zeit noch davon aus, dass Greif vielleicht doch über die Gleise gelaufen war, behielt meine Gedanken aber erstmal für mich.
Am Auto angekommen, versorgten wir Feline und machten Milka startklar.

Die kleine zierliche Maus hat enormen Ehrgeiz und Tempo und so rannten wir fast hinterher. Auch ihr erster Weg führte in die Garagenhöfe und sie witterte nach oben. Auch sie löste sich, lief Richtung Bahnhof (jaja und ich ertappte mich wieder dabei, mich zu fragen, ob sie nur Felines Spur checkt), in die gleiche Straße und suchte einen Durchgang links. Sie fand ihn auch und weiter gings, letztlich in einer großen Runde wieder zurück zu den Gleisen. Wir standen an der Stelle, direkt auf der anderen Seite der Gleise gegenüber dem Garten.
Von hier gings dann mit mäßigem Tempo Richtung Bahnhof zurück. Milka markierte immer wieder zu den Schienen hoch und mich überkam fast ein mulmiges Gefühl:
War Greif doch die Schienen entlanggelaufen?
War er von einem Zug erfasst worden?
Nein…das konnte nicht sein!

Und dann fiel es mir wie Schuppen von den Augen, ich hatte eine These: Er war die Böschung hoch, weil er selbst Geruch vom heimischen Garten bekommen hatte, eben der direkte Weg.
Aber hatte er auch die andere Seite erreicht?

Wir liefen Richtung Bahnhof und wieder auf der Bahnhofstraße angekommen, zog Milka hinter das Haus gegenüber dem Edeka. Ich gab ihr extra viel Leine, um zu schauen, was sie tut. Sie lief in eine Ecke, blieb stehen, witterte, drehte raus und ab wieder in den Garagenhof. Diesmal bis ans Ende und plötzlich saß sie. Mein kleiner Hund machte eine Anzeige und freute sich. Ich war verwirrt, denn im Gestrüpp sahen wir rein gar nichts. Ich bat Nadine nach ihm zu rufen, leise… und dann beim dritten Ruf knackte es plötzlich. Ich sagte: „Ruf nochmal“. Dann wieder ein Knack und noch einer und dann konnte ich das Hecheln hören. Ein Gänsehautmoment und dann tauchte Greif auf, sichtlich erschöpft aber froh, sein Frauchen zu sehen.

Doch wie nun rankommen? Ein schweres verschlossenes Metalltor mit mind. 2m Höhe trennte uns von ihm.

Wir riefen die Feuerwehr an, erklärten schnell die Situation und baten um Hilfe.
Kurze Zeit nachdem wir Greif durch das Tor Halsband und Leine umgetan hatten, war der Einsatzwagen der Feuerwehr schon da. Erst kletterte einer der Jungs mit der Leiter über die Mauer. Als er jedoch feststellte, dass Greif an der Pfote schwer verletzt war, half nur, dass Schloss des Tores aufzubrechen. Da das Brombeergestrüpp stark ins Tor eingewachsen war, dauerte es etwas, bis wir Greif endlich in Empfang nehmen konnten. Beide Besitzerinnen hielten ihren Hund unter Tränen in den Armen.
Wir versorgten Greif mit Wasser und etwas Leberwurst, damit er sich entspannen konnte.
Ich war völlig überwältigt in diesem Moment und konnte gar nicht fassen, was unsere Hunde da geleistet hatten. Vor allem der kleine sture Querkopf, die zierliche Milka, die mal wieder soviel Biss und Ehrgeiz bewiesen hat.

Greif befindet sich gerade in der Tierklinik und wird an der Pfote operiert, ein ziemlich komplizierter Bruch sagte der Dok.
Wir drücken natürlich alles was wir haben, Daumen & Pfoten. Du schaffst das Großer!

 

Vielen Dank Nadine, Barbara, Birgit und Ina für euer Vertrauen und dir liebe Nadine, du bist ne großartige Suchhelferin, danke fürs Rücken freihalten und Aufpassen und dass du einfach dabei warst J

Wir machen jetzt erstmal Pause und ruhen uns übers WE etwas aus.

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