Am Samstag Nachmittag erreichte uns der Hilferuf aus Gelsenkirchen. Männeken, ein noch immer ängstlicher Tierschutzhund, war mit Flexileine am selbst gebastelten Sicherheitsgeschirr am Donnerstag-Abend direkt vor der Haustür in den Park entwischt. Jegliche Suchaktionen bisher blieben erfolglos, es gab keine Sichtungen, Tierheime, Polizei, Tasso…alle waren informiert.
Trotz der angespannten Situation wegen Corona entschieden wir, in den Einsatz zu fahren. Natürlich nicht, ohne uns Gedanken zu machen, wie das Ganze ablaufen sollte:

-Geruchsartikel erstellt der Besitzer und tut diese mit Handschuhen in unsere Tüten/Gläser
-Personen zum Ausschließen am Start mit Sicherheitsabstand
-nur eine Begleitperson der Besitzer auf dem Trail
-kein direkter Kontakt, dauerhaft Sicherheitsabstand
-kein Hände schütteln, umarmen oder ähnliches
-kein Berühren unserer Gegenstände, falls doch notwendig, hinterher desinfizieren

Es konnte los gehen.
Kurze Zeit später standen wir mit Milka am Start. Es ging direkt in den Stadtpark, durch den vorderen Teil über die Straße in den hinteren Teil des Parks. Bis hierher gut gearbeitet, mussten wir Milka kurze Zeit später rausnehmen. Zu stark war die Ablenkung in der Dämmerung durch unzählige Kaninchen. Das konnte sie heute einfach nicht leisten. Also musste Feline ran.
Auch sie trailte in den hinteren Teil des Parks, kämpfte mit starkem Wind über den vielen Freiflächen und dem Gelände, das hier abfallend war. Der Wind kam hier genau den „Berg“ runter. Wir landeten schließlich an einem Gebüsch, von dem sich Feline einfach nicht lösen wollte. Wir checkten mit unseren Taschenlampen wirklich jeden Busch mehrfach, fanden einige Liegekuhlen, die wirklich sehr kuschelig aussahen.
Wir gingen ein Stück zurück, in der Hoffnung etwas übersehen zu haben.
An der Straße angekommen, zog Feline plötzlich links runter. Sie war so zügig unterwegs, dass wir Mühe hatten, hinterher zu kommen. Letztlich landeten wir wieder an dem Gebüsch. Es war echt verrückt.
Da es schon sehr spät war und Feline nun genug gearbeitet hatte, brachen wir die Suche vorerst ab.
Wir ließen die Besitzerin Steffi mit dem Hinweis zurück, sich so oft es geht in der Nähe des Gebüsches aufzuhalten und am Morgen noch ein weiteres durchzukämmen. Das Gefühl, dass Männeken doch fest hängt, blieb.

Auch heute am Sonntag gab es keine Sichtung.
Also fuhren wir erneut nach Gelsenkirchen.
Milka arbeitete diesmal schön durch, bis zu einem dichten Brombeergestrüpp. Wir durchkämmten das Gestrüpp so gut es ging, fanden aber nichts. Es ging einen Abhang runter und grenzte unmittelbar an den Schwarzbach. Wir hatten nun zusätzlich Bedenken, dass er dort reingefallen sein könnte, denn dort wäre er niemals wieder rausgekommen.
Als Feline erneut trailte, wurde es ganz verrückt. Auch sie lief erst in Richtung Brombeeren, dann unterhalb des Abhangs parallell, wieder hoch in den Wald und dann wieder in den Park. Immer wieder kam es zum Stop and Go. Ein mega untypisches Trailverhalten. Auf dem Rückweg gab sie auf einmal sogar Gas in Richtung nach Hause. Es gab nur zwei mögliche Lösungsansätze: Hund hing fest, ist dann runter zum Schwarzbach und reingefallen oder er ist mobil.
Wir sagten Steffi, dass sie noch viel mehr Flyer im Park aufhängen muss. Aufgrund der Corona-Situation war der Park nicht wirklich voll und die wenigen Menschen müssten viel mehr für den Hund sensibilisiert werden.
Wir trafen auf dem Weg zum Auto noch das Ordnungsamt, die im Park für den notwendigen Abstand zwischen den Menschen sorgten. Auch sie informierten wir und sie sagten ihre Unterstützung zu.
Wir fuhren enttäuscht heim, enttäuscht deshalb, weil wir keine klare Aussage treffen konnten.
Gerade zu Hause angekommen passierte das Unfassbare: das Telefon klingelte und Steffi war dran. Sie war sehr aufgeregt und berichtete, das Männeken wieder zu Hause sei.
Kurz nachdem wir gefahren waren, war er auf unserem Rückweg in einem Gebüsch aufgetaucht. Ein kurzes Stück der abgerissenen Leine hing noch an seinem Geschirr, er hatte sich ein Kralle abgerissen, war aber sonst okay.
Frauchen konnte ihr Glück kaum fassen und den Sträuner direkt nach Hause holen. Der kleine Rüde war sehr froh endlich wieder daheim zu sein und erholt sich nun von seinen Strapazen.
Ob er nun unsere Spur gefolgt ist, weil wir ihn festhängend aufgeschreckt und dazu bewegt haben, sich loszureißen oder er gestern schon mobil war, werden wir nie erfahren. Tatsache ist aber, dass er irgendwann festgehangen haben muss, es an den Brombeeren sehr viel Geruch gab und das Gelände wegen der vielen Altspuren (Haupt-Gassi-Gebiet), den offenen Flächen und viel Wind sehr anspruchsvoll war.

Wir sind sehr froh, dass es für die Fellnase ein gutes Ende gab und danken Steffi und Nikola ganz herzlich für ihr Vertrauen.
Wir wünschen Männeken und seinen Menschen von Herzen alles Gute!

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