Am Abend des 1. Mai, wir waren gerade von unserer Geocaching-Tour zurück, klingelte das Einsatz-Telefon: Simone aus Bochum erzählte uns von Pablo, ihrem Schäferhund-Mischling, der im Leben noch nicht viel Glück hatte. Bereits als Welpe in der Tötungsstation, später im Auffanglager für gerettete Hunde, hatte Pablo in seinem bisher vierjährigen Leben noch nicht viel kennen gelernt.
Doch dann verliebte sich Simone in den hübschen Rüden, dieser zog im September vergangenen Jahres bei ihr ein und machte seit dem große Fortschritte. Er war zwar noch immer vorsichtig, fasste aber längst Vertrauen zu ihr und ihrem Freund Thomas. Auch Ersthund Zelda gab der Fellnase großen Halt.
Am Feiertag war das Paar im Biergarten im Muttental. Anschließend stand ein ausgedehnter Spaziergang mit den Hunden auf dem Plan.
Noch gar nicht weit gelaufen, passierte das Unglück: Thomas rutschte die Flexi-Leine aus der Hand und Pablo, verfolgt von der hinterherschleifenden Leine, schoss fort.
Das Paar teilte sich auf und Simone konnte dank vieler Spaziergänger einen Teil des Laufweges verfolgen. Doch an einer Weggabelung verlor sich die Spur von Pablo.

Wir rieten dazu, Ruhe zu bewahren, am Entlaufort zu warten und den Einsatz eines Suchhundes in Erwägung zu ziehen.
Sowohl der vermittelnde Verein als auch das Paar selbst entschieden, die Nacht abzuwarten.

Als es am Folgetag noch immer keine Spur von Pablo gab, war klar, dass unsere Hunde ran mussten. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich Pablo mit seiner Leine am Geschirr irgendwo im Wald verfangen hatte, war groß.

Wir, also Cristina mit Pearly und Mandy mit Feline und Milka, trafen uns vor Ort in Witten. Die Frage nach einem guten Geruchsartikel war längst am Telefon geklärt worden und so mussten vor Ort nur noch Geruchskopien erstellt werden.
Wir entschieden, als erstes Milka ins Rennen zu schicken und setzten an einem günstigen Punkt auf der Laufroute des Rüden an.
Die Spur führte direkt in den Wald und als direkt vor Milka ein liegendes Reh aufsprang, war ihr Trail jäh beendet. Wir brachten unsere Nachwuchshündin zurück zum Auto und hofften auf die erfahrene Feline.
Diese nahm souverän die Spur auf; entlang des beschriebenen Laufweges ging es bis ans fragliche Feld.
Dann jedoch ging der Trail nicht wie vermutet dort weiter, sondern führte direkt in den Wald. Hier musste sich Feline erst orientieren und nach kurzer Zeit war der Weg klar: steil bergab in Richtung einer Kreuzung, die wir zuvor schon beschritten hatten. (siehe Karte, blau der getrackte Trail)
Da Feline deutlich das Tempo anzog und anschließend den anderen Berg steil hoch lief, war klar, dass Pablo nicht (mehr) festhängen konnte.
Er war mobil und in Richtung Parkplatz unterwegs.
Wir brachen die Suche ab und positionierten die Besitzer über Nacht am Parkplatz „Schacht Margarethe“.
Leider passierte in dieser Nacht rein gar nichts.

Am Folgetag trudelten dann die ersten Sichtmeldungen ein (Sichtungskarte).
Pablo war mit hohem Tempo unterwegs, er rannte. Wir trugen alle Sichtungen in eine Karte ein und konnten so sein Laufgebiet eingrenzen. Am Samstag dann positionierten wir Simone etwas abseits des Parkplatzes, denn diese war abends durch Jugendliche zu stark frequentiert.
Wir zogen Schleppen und Brühe-Spuren und hofften erneut darauf, dass Pablo diesen folgen würde.
Am Samstagabend gab es dann eine Sichtung auf dem Wanderparkplatz an den sieben Kurven (Rauendahlstr.) oberhalb des Gebietes, in dem Simone sich positioniert hatten. Ein Weg von dort führte direkt zu ihr.
Wir hielten den Atem an, warteten und waren so sicher, dass Pablo dem Weg folgen würde, doch nichts geschah.
Eine weitere schlaflose Nacht…
Am Sonntag trafen wir uns erneut vor Ort. Inzwischen gab es weitere Sichtungen, die wir wie immer in die Karte eintrugen.
Plötzlich war klar, dass Pablo nicht mehr in das Gebiet unterhalb der Berghauser Str. laufen würde.
Er hielt sich nur noch auf der anderen Seite des Rauendahlstr. auf.
Wir mussten also umdenken, verlegten Futterstellen, zogen wieder Spuren und Schleppen und hofften.

Am späten Abend dann der Krimi: Pablo war mal wieder auf der Elberfelder Straße unterwegs, ein Auto hupte ihn laut an. Dies bekam ein junger Mann mit, der den Rüden dann mit dem Auto verfolgen konnte. Er schaffte es sogar, ihm den Weg zu versperren und Pablo kroch zu ihm, roch an ihm, stellte fest, dass er unbekannt war und gab Gas.
Inzwischen war auch die Polizei informiert, doch auch sie hatten keinen Erfolg!
Der junge Mann wiederum informierte eine Bekannte, die zufällig eine Nachbarin von Thomas (Freund der Besitzerin) war. Über seine Tochter erfuhr er von Pablo und eilte zum Sichtungsort.
Pablo hatte inzwischen eine große Runde gedreht und war in dem Tumult in einem Feld nahe der Wacholder Str. verschwunden. Dort konnte Thomas ihn zwar nicht ausmachen, erinnerte sich aber an die Daten der Sichtungskarte. Aufgrund der Laufwege kamen nur zwei Orte in Betracht und Thomas behielt recht: auf dem Gehweg der Alten Straße kam Pablo ihm entgegen.
Thomas sprach ihn ruhig an und als er merkte, dass Pablo auf ihn reagierte, machte er einfach alles richtig.
Wir hatten das Szenario einige Male durchgesprochen: hinsetzen, wegdrehen, ggf. hinlegen, anfüttern, notfalls den Hund wieder ziehen lassen.
Das Schauspiel zog sich über 15 Minuten hin, aber Thomas behielt die Nerven!

O-Ton: “Ich wollte ihn unbedingt wiederhaben, er hat sich doch immer so bei mir angekuschelt.“
Und dann war es soweit: mit Simones Stimme am Telefon, angefüttert mit drei Tage alter Salami konnte er ihn am Zeckenhalsband halten und schließlich auf dem Arm in sein Auto bringen.
Als er ihn kurze Zeit später zu Simone brachte, war die Wiedersehensfreude riesig und so richtig konnten wir es alle noch gar nicht fassen.
Da war er wieder, völlig erschöpft, abgemagert aber sonst unversehrt und offensichtlich sehr froh darüber, wieder in Sicherheit zu sein.
Auch Zelda, die sonst lieber ihr eigenes Ding macht, freute sich über die Rückkehr des Hundekumpels. Endlich konnte nun wieder Ruhe einkehren.

Pablo und Familie erholen sich nun von den Strapazen. Die noch vorhandenen Flexi-Leinen wanderten in den Müll und zukünftig gibt es keine Spaziergänge mehr ohne GPS (das lag nämlich zu Hause).

Wir danken euch riesig für euer Vertrauen liebe Simone und lieber Thomas und wünschen euch und den Hunden alles Glück der Welt!

In den letzten Tagen waren wir sehr verwundert, was alles ganz ohne Facebook möglich ist: Es hingen tatsächlich nicht viele Suchflyer, denn alle rundherum waren so gut vernetzt, dass dies gar nicht notwendig war.
Immer wenn wir Leute ansprachen, wussten sie bereits Bescheid.
Bei Sichtung hörten wir oft „ich habe die Telefonnummer von dem und dem“ und auch als wir warmes Wasser für die Brühe-Spuren brauchten, bekamen wir sofort Hilfe.
Überall stand man uns mit Rat und Tat zur Seite und hielt sich an Absprachen. Dafür sagen wir DANKE!!!
Wittener ihr ward großartig!!!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*
*
Website

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.