Über die Mailbox unserer Einsatz-Rufnummer erreichte uns ein Hilferuf aus Lüdinghausen:
Loulou, eine Mischlingshündin aus dem Tierschutz, war mit 10m Schleppleine bereits letzte Woche Montag entlaufen. Bisher wurde versucht die scheue Hündin mit Futterstellen und Falle dingfest zu machen, bisher gab es regelmäßig Sichtungen immer im gleichen Bereich.

Seit Dienstag keine Sichtungen mehr

Seit Dienstag dieser Woche dann Funkstille. Loulou war wie vom Erdboden verschluckt. Da durch die lange Schleppleine am Geschirr die Gefahr des Festhängens und damit auch und insbesondere bei diesen Temperaturen für Leib und Leben bestand, kamen wir der Einsatzbitte natürlich umgehend nach.
Am Samstag-Morgen machten wir, Nadine & Mandy uns auf den Weg ins Münsterland. Mit dabei die Suchhunde Feline und Milka.
Zu Hause bei der Pflegestelle angekommen, ließen wir uns nochmal alles erklären und auf der Karte zeigen: Entlaufort, Sichtungen, Futterstellen und Standort der Falle.

Einsatztaktik war schon besprochen

Schon im Auto auf dem Hinweg hatten wir über die Einsatztaktik gesprochen und einen ersten Plan entwickelt.
So beschlossen wir in der Nähe des letzten Sichtungsortes anzusetzen. Dafür wählten wir ein Gebüsch, an dem nach Prüfung der vorhandenen Windrichtung ganz sicher Geruch vorhanden sein musste.
Für diesen Job sollte Feline ran. Sie ist mit Abstand die erfahrenste Hündin in unserem Verein und noch dazu dafür bekannt, dass sie gerne „knobelt“ 😉

Schwierige Startsituation

Die Startsituation darf man durchaus als schwierig bezeichnen: große Wiese (Freifläche) in ganztags praller Sonne, vereinzelte Gebüsche, noch dazu alles in direkter Wassernähe und zudem noch absoluter Hauptaufenthaltsort der Hündin (Pool). Erfahrene Man-/ Pettrailer wissen sicherlich, was ich meine.
Nachdem wir Feline angesetzt hatten, brauchte es tatsächlich etwas Zeit, bis sie sich orientiert hatte. Sie löste das Ganze auf ihre eigene lustige Art (die mich auch schon mal zur Weißglut bringt) in dem sie sich zweimal über den Boden schubbelte 😉
Dann ging es mit gutem Zug auf der Leine los in Richtung Wasser. Bereits nach wenigen Metern fiel uns auf, dass Feline immer wieder den Uferbereich markierte. Da sie sich aber noch nicht hineinstürzte, warteten wir erstmal ab. Ich zügelte ihr Tempo, denn trotz deutlicher Wetterabkühlung war es am Morgen auf der Wiese wirklich warm.
Am Ende der Südwiese kühlte sich Feline erstmal in der Stever ab, um dann entspannt weiterzuarbeiten. An der Kopfseite der Südwiese an der Stever entlang (flußaufwärts) checkte sie noch die Abgänge der Siedlung hinter der Brücke, um dann wieder umzukehren zu dem Bereich, den sie bereits zuvor sicher markiert hatte.

Feline die Supernase

Diesmal nahm sie direkt den erstbesten Eingang und ich hinterher. Zwischen dichtem Gestrüpp konnte ich kaum folgen. Wir kamen wieder hoch zur Wiese und versuchten den nächsten Eingang. Auch hier scheiterten wir, es war einfach kein Durchkommen. Ich entschied kurzerhand Feline frei-Trailen zu lassen, was bedeutet, dass ich die Leine abmachte.
Das hatte Feline im Training bereits oft zur Motivation gemacht und hatte immer viel Spaß dabei. Da es außer Wiese, Gestrüpp und Wasser hier nichts gab, sah ich auch keine Gefahr darin. Feline flitzte los durchs Gestrüpp und noch ehe wir folgen konnten, war sie verschwunden, kehrte wenige Sekunden danach wieder zurück und machte eine sichere Anzeige (Vorsitzen) für das Auffinden. Ich war sicher, dass sie recht hatte und so beschloss ich in die Büsche zu kriechen. Feline ließen wir erstmal oben an der Wiese bei Loulous Pflegefrauchen. Nadine machte es mir gleich und ging etwas weiter hinten ins Gestrüpp. Leider wurden wir nicht fündig und was dann passierte, hatten wir so noch nicht erlebt:

Einsatz-Team lahm gelegt

Ein Aufschrei von Nadine, Feline, die ihr zu Hilfe eilte und auch ich war nach dem durch-den-Stacheldraht-kriechen schnell bei ihr. Ein Surren und erneutes Aufschreien von Nadine machte deutlich, dass wir uns in einer brenzligen Situation befanden. Nadine war in ein Nest von Erdwespen getreten. Der einzige Weg: Flucht, schnell weg, schnell irgendwo hin, Hauptsache weg.
Einige der Wespen hatten Nadine bereits attackiert, in Felines Fell waren auch einige gekrochen und selbst ich hatte zwei Stiche abbekommen. In der Not entledigte sich Nadine schnell ihrer Hose und ihres Shirts, damit wir die Tiere absammeln konnten. Pflegefrauchen Angela half Nadine und ich sammelte die Wespen aus Felines Fell. Leider konnte ich nicht verhindern, dass auch sie gestochen wurde. Da Nadine dermaßen viele Stiche abbekommen hatte, entschieden wir direkt den RTW zu rufen und zeitgleich den Tierarzt über Feline zu informieren. Nur wenige Minuten später wurde Nadine ins Krankenhaus gebracht und ich fuhr direkt zum Tierarzt.

Trotz der Umstände war sowohl Nadine als auch mir klar, dass der Einsatz noch nicht beendet war. Wir wussten ja nun, wo Loulou war, hatten nur keine Möglichkeit dran zu kommen.

Während wir also bei unterschiedlichen Ärzten hockten, rief der Tierschutzverein von Loulou die Feuerwehr und bat um Unterstützung. Sie kamen, suchten soweit möglich, leider ohne Erfolg.

Ein Boot musste her

Als ich dann wieder sortierter war, kam mir der Gedanke, es von der Wasserseite zu probieren. Wenn man an Loulou rankommen wollte, dann war dies sicher der beste Weg. Ein Boot musste her, doch woher?

Da der Ruderverein nicht erreichbar war, blieb nur der Aufruf über Facebook (Danke Nicole). Durch einen Bekannten von mir, den ich durchs Klettern beim Geocaching kenne und der im Ort wohnt, erfuhr ich aber kurze Zeit später, dass die Stever wegen Flachwasser und vieler Steine dort gar nicht befahrbar ist. Also blieb nur die Möglichkeit in Badesachen durch oder noch besser mit Wathose, denn auch von unten war der Ufergürtel sehr dicht bewachsen.
Ein Telefonat mit meinem Mann machte das Unmögliche möglich: Mit Wathose und reißfester Kleidung machte er sich auf den Weg zu uns. Zeit, um eben einen Happen zu essen, Nadine im Krankenhaus mit ihren Klamotten zu versorgen und kurz durch zu schnaufen.

Endlich: Loulou gefunden und gesichert

Nach gut einer Stunde standen wir wieder an der Stever. Micha im Wasser und ich oben am Gestrüpp ihn zu der Stelle leitend, die Feline als Fundort markiert hatte. Ich sagte ihm, dass der Fundort aufgrund der Fließrichtung auch noch ein paar Meter weiter sein könnte. Das Wasser war kaum begehbar, er versackte knietief im Schlamm und entdeckte dann am Ufer Kratzspuren und Pfotenabdrücke eines Hundes. Also schnell wieder raus, Wathose und Pullover sowie Handschuhe an und wieder zurück dort hin. Das mit Brombeeren, Brennnesseln, Schilf und anderen Pflanzen bewachsene Ufer machte es ihm nicht leicht. Er durchkämmte das Gestrüpp und noch ganz dicht am Wasser fand er Loulou!

Sie war komplett von Gestrüpp eingeschlossen, hing mit der Leine bis zur Bewegungsunfähigkeit fest und war ganz bedeckt mit Pflanzen und absolut unsichtbar, für jeden, der von oberhalb dorthin blickte.

Nachdem klar war, dass Loulous Zustand gut war, versuchte Micha sie dort rauszuholen. Sie wand sie sich und schnappte um sich, hatte aber zum Glück ihre Rechnung ohne Micha gemacht, denn er konnte sie am Halsband packen und schaffte es dank dichter Wathose mit dem Hund unterm Arm nach oben. Inzwischen hatte ich das Auto geholt, Feline aus ihrer Box geschmissen und nur kurze Augenblicke später saß Loulou „hinter Gittern“.
Wir konnte es alle gar nicht fassen und erst einige Minuten später realisierte Pflegefrauchen Angela, dass Loulou wieder in Sicherheit war. Natürlich fiel dann die Anspannung der letzten Tage ab und die Tränen der Freude flossen in Strömen.
Ich fiel meinem Schatz um den Hals und dankte ihm wieder Mal von Herzen für die Unterstützung. Ich bin mir sicher, dass er der beste Mann für genau solche Aktionen ist, denn auch er schafft es genau dann, einen kühlen Kopf zu bewahren und sich auch nicht von einer um sich schnappenden Loulou beeindrucken zu lassen. Zum Glück hatte er Handschuhe an, so dass am Ende nur ein paar Schrammen blieben. Es ist schön, dass es genau diesmal wieder passte und er uns vor Ort unterstützen konnte.
Wir brachten Loulou gemeinsam nach Hause.

Den weiteren Nachmittag/Abend verbrachten wir noch mit gemeinsamen „Runterkommen“. Nur unsere liebe Nadine musste leider noch zur Beobachtung im Krankenhaus bleiben.
Ich versorgte sie regelmäßig mit Updates und konnte sie dann heute fröhlich und vergnügt wieder abholen.
Auch Feline hat sich dank der großartigen Hilfe der Tierarztpraxis am Kanal ganz schnell von dem Schreck erholt.

Ich weiß gar nicht, was ich schreiben soll, nur so viel: dieser Einsatz wird uns wohl nach lange, lange im Gedächtnis bleiben.

Danke, an alle, die uns unterstützt haben:

 

  • die nette alte Dame in der Steverau, die ihr Auto umgeparkt hat und uns den Schattenparkplatz an ihrem Haus zur Verfügung gestellt hat
  • die Freundin Elisabeth, die rund um die Uhr unseren Zweithund Milka bewacht und sie und uns versorgt hat
  • Andi, der den richtigen Tipp mit der Wathose hatte und uns den rechten Weg wies
  • den RTW und das Krankenhaus, die unsere Nadine wieder heil gemacht haben
  • die Tierarztpraxis am Kanal fürs schnelle Kümmern um Feline
  • Nicole für den Facebookaufruf
  • an meinen Schatz und Ehemann Michael, für die großartige Unterstützung
  • an meine Trainerin Christiane (ich muss wohl nicht erklären wofür)
  • an meine großartigen Hunde Feline & Milka
  • und natürlich an alle, die an uns glauben und uns und der Arbeit unserer Hunde vertrauen wie Angela und Andreas

Und von mir persönlich: Danke Nadine! Danke an mein Team! Ihr seid die Besten, ich liebe euch!

Wir wünschen uns noch mehr von solchen Menschen und ja auch Kollegen, die genauso selbstreflektiert sind wie wir. Solche, die die Stärke haben, auch Schwächen und Misserfolge zugeben zu können und daraus lernen und daran wachsen, damit wir gemeinsam noch mehr Tiere erfolgreich retten können.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*
*
Website

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.