Es war unerträglich warm, als Finjas Besitzer uns um Hilfe bei der Suche nach ihrer betagten Hündin baten.
Finja ist 12 Jahre alt, hört nicht mehr so gut, hat schon das ein oder andere altersentsprechende Wehwechen aber vor allem hat sie Herzprobleme und Wasser in der Lunge. Außerdem ist sie inkontinent.
Genau dieser Zustand führt dazu, dass die Hündin ihr Frauchen Nacht für Nacht weckt, wenn ihre Pampas voll ist. Frauchen steht dann auf, lässt sie kurz in den komplett eingezäunten Garten, zieht ihr beim Reinkommen eine neue Pampas an und dann gehts für beide wieder ins Bett, um noch etwas zu schlafen. Ein Ritual sozusagen.
In der Nacht von Sonntag auf Montag hechelte Finja stark, weckte Frauchen und sie ließ die Hündin wie immer in den Garten. Nach einer halben Stunde wurde Frauchen unruhig und weckte ihren Mann. Beide schauten grob im Garten nach, fanden sie aber nicht. Wohl wissend, dass der Garten komplett eingezäunt ist, brach erstmal keine Panik aus.
Die beiden warteten geduldig auf der Terasse und dachten daran, dass sich Finja, wie schon so oft, ein kühles Loch gebuddelt hatte und schlief.
Erst als die Morgendämmerung anbrach, fingen sie an, sich Sorgen zu machen.
Sie suchten den Garten erneut ab. – Keine Spur von Finja. Nachbarn wurden informiert und um Mithilfe bei der Suche gebeten. Polizei, Tasso, Tierheim, alle umliegenden Stellen wurden informiert.
Trotz groß angelegter Suche, war die Hündin nicht auffindbar, weder im eigenen noch in den Nachbarsgärten.
Im Internet fand Frauchen Ulrike unsere Telefonnummer und schilderte uns den Fall. Aufgrund der Erkrankung und der Hitze machte sie sich sehr große Sorgen um ihren Hund und realisierte im Gespräch, dass Finja nicht zum Pipi raus wollte, sondern aufgrund der Wetterleuchten leichte Panik bekommen hatte. In solchen Situationen wollte sie immer lieber nach draußen.
Wir gaben der Familie erste Tipps, was sie noch tun sollten:
nochmal genau den Garten nach Stellen absuchen, wo sie doch rausgekommen sein könnte,
selbst in den Nachbarsgärten nachschauen
und Flyer verteilen.

Uns war wohl bewusst, dass dies alles andere als ein ideales Suchwetter für unsere Hunde war.

Wir vereinbarten, am Abend erneut über den aktuellen Stand zu telefonieren, um dann zu entscheiden, was zu tun ist. Den ganzen Tag über, behielten wir den Wetterbericht im Auge und hofften auf etwas Abkühlung am Abend.
Als abends noch immer keine Sichtung eingegangen war, war klar, dass wir in den Einsatz fahren.
Wir trafen uns erst gegen 22 Uhr. Ab da sollte es etwas kühler werden und man konnte eine Suche mit Hund riskieren.
Vor Ort angekommen, ließen wir uns noch einmal alles erklären und starteten mit Milka. Zum einen ist sie deutlich kleiner als Feline und kann damit eher mal irgendwo durchkriechen, zum anderen ist sie noch ein Jungspund und noch dazu aus Kroatien. Ihr macht die Hitze deutlich weniger aus.
An diesem Abend beeinträchtigte nicht nur das Wetter die Suche. Auch die Umgebung war schwierig: der Entlaufort befanden sich mitten im Geruchspool, denn im Garten war Finja täglich mehrfach.
Milkas erste Idee führte uns zum linken oberen Ende des Gartens. Direkt neben dem begehbaren Dach der Tiergarage wucherte dickes Ilex und Brombeergestrüpp (hatten wir schon mal erwähnt, dass wir das Zeug hassen wie die Pest?) Milka versuchte dort hinein zu kommen, drehte dann aber doch ab und lief in die andere Ecke. Hier konnten wir gemeinsam mit ihr das Gestrüpp durchkämmen. Leider sprang ihr dann ein Hase direkt vor die Pfoten. Sichtlich irritiert war sie erstmal raus. Dennoch wollten wir ihre erste Idee prüfen, brachten sie ins Auto, versorgten sie mit Wasser und während Herrchen über die Suchhunde wachte, durchkämmten wir nochmal ohne Hunde das Gestrüpp.
Was wir fanden? Den wahrscheinlich echten einzigen logischen Durchgang zum Nachbarn: dort, wo die beiden Zäune in der Ecke aufeinander trafen, war genug Platz, dass ein vor dem Gewitter flüchtender Hund hindurch kam.
Wir machten uns auf zum Nachbarn. Auch dieser hörte zum ersten Mal von dem Durchgang, öffnete für uns Tür und Tor und half uns sogar bei der Suche.
Da wir auch hier nicht fündig wurden, sollte Feline nun ran. Wir starteten erneut im Garten an der Terasse. Erfahren wie sie ist, hatte sie schnell alles sortiert und marschierte aus dem Tor. Von dort ging es erstmal Richtung Gassi-Weg, in die Siedlung bis zu einem Seniorenstift. Hier endete der Trail vorerst. Ob sie aufgrund der Wärme einen Abgang übersehen hatte oder sie durch irgendetwas anderes abgelenkt war, bleibt wohl Felines Geheimnis.
Wir versorgten auch sie erstmal mit Wasser und als wir einige Meter wieder Richtung Hauptstraße gelaufen waren, nahm Feline die Suche wieder auf. Sie zog deutlich an und steigerte das Such-Tempo.
Wir landeten schließlich auf der Hauptstraße, die sie dann auch überquerte und dann in diese Richtung weiter wollte. Wir bremsten sie, denn irgendwie beschlich uns das Gefühl, dass wir es doch mit einer mobilen Finja zu tun haben könnten.
Wir brachen die Suche mit Hund ab. – Eine Entscheidung, die sich noch als goldrichtig heraus stellen sollte.
Inzwischen war es auch schon nach 1 Uhr und so konnten wir in dieser Nacht nichts weiter erreichen, als die Familie mit weiteren Tipps und einem Schlachtplan für den folgenden Morgen zu verlassen. Natürlich blieben Garten und Terasse in dieser Nacht für Finja geöffnet.

Am nächsten Morgen wurde weiter geflyert, das Ilex Gestrüpp im Garten runtergeschnitten und nach in Frage kommenden Wasserstellen geschaut. Außerdem wurden weitere Such-Meldungen in den sozialen Medien veröffentlicht und über die Nachbarschaft-App nach Finja gefahndet.
Dann gegen Abend endlich der erste Hinweis.
Noch während wir telefonierten trudelten zwei Sichtungsmeldungen von Montag Morgen im Bereich der Düssel ein. Zusätzlich erreichte uns die Info über quitschende Autoreifen am Montag-Morgen. Zwar nichts Aktuelles, aber ein Lichtblick.
Natürlich fuhren Ulrike und ihr Mann sofort in diese Ecke.
Sie sprachen Passanten an und verteilten Flyer.
Dann das Unfassbare: die Schwägerin meldete sich und sagte, dass sie über Facebook die Info bekommen hätte, dass Finja im Tierheim abgegeben sei.

Noch war nicht klar, ob es sich wirklich um die Hündin handelte, aber es gab vorsichtigen Grund zur Hoffnung.
Und wieder einmal zeigte sich, wofür ein gut funktionierendes Netzwerk gut ist.
Wir kontaktierten Ute von der Hundesuchhilfe Neuss und Umgebung, die direkten Kontakt zum Tierheim hat und schnell die fehlenden Infos einholen konnte.
Es war tatsächlich eine Hündin, auf die Finjas Beschreibung passte, im Tierheim abgegeben worden, allerdings war diese nicht gechipt. Das wiederum passte gar nicht zu Finja. Und so blieb uns nichts weiter, als darauf zu warten, bis Ute selbst ins Tierheim fuhr, um nach dem Hund zu schauen.
Die Warterei zog sich unendlich hin und aus Minuten wurden Stunden. Dann die Nachricht: „Ja, es könnte passen. Aber, ich finde keinen Chip. (Kurze Pause) Warte, ich mach ein Video.“
Als wir das Video an Finjas Familie schickten, war es eigentlich schon klar: Sie war es!

In Windeseile fuhr ihre Familie zum Tierheim. Inzwischen konnte auch der zwischen die Vorderbeine verrutschte Chip gefunden und ausgelesen werden. Finjas Identität wurde so zweifelsfrei bestätigt.
Glücklich nahmen Ulrike und Markus ihre Hündin in Empfang und konnten ihr Glück kaum fassen.
Finja ging es den Umständen entsprechend gut, sie humpelte etwas und war ein wenig verwirrt.
Zu Hause angekommen, taperte sie sofort in ihr Körbchen um erstmal etwas Schlaf nachzuholen.

Was passiert war?
Ein aufmerksamer Passant hatte die Bundespolizei über einen sich auf den Bahngleisen befindlichen Hund informiert. Diese waren sofort ausgerückt und konnten die geschwächte Hündin ohne Widerstand mitnehmen.
Ein wahnsinniges Glück, wie wir finden!

Was bleibt?
Nun doch das Gefühl zu haben, alles richtig gemacht zu haben und im richtigen Moment die Suche mit Hund abgebrochen zu haben um eben nicht hinterher zu laufen und den entlaufenen Hund in Gefahr zu bringen.
Niemand weiß, wie Finja bei unserer Annäherung mit Feline reagiert hätte. Im schlimmsten Fall, hätten wir sie genau damit auf die Straße oder vor einen Zug treiben können.

Irgendwie ergibt dann doch immer alles ein Sinn. 😉

Wir sind mega glücklich, dass diese Suche so ausgegangen ist und so viele Schutzengel über Finja gewacht haben.

Danke für euer Vertrauen Ulrike und Markus und noch ganz viel Zeit und schöne Momente mit eurem Hund.
Danke an Dich liebe Cristina, für die Nachtschicht. Es ist immer wieder schön, dich im Rücken zu haben. 😘
Ein großes Dankeschön an Ute, die es der Familie ermöglicht hat, ihre Finja so schnell abzuholen. 😘
Und noch ein großes Dankeschön an Nadine vom K-9 Suchhundezentrum Niederrhein für den regen Austausch und dass du schon in den Startlöchern für eine Nachsuche gestanden hast und an alle, die dazu beigetragen haben, dass Finja nun wieder ruhig in ihrem Körbchen schlafen kann.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*
*
Website

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.